Lena in Mosambik
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interessant!

...hier werden als verkehrsmittel immer chapas, so minibusse benutzt...
...es gibt keine gestze, keinen Tuef, linksverkehr und ziemliches chaos...
...ruelpsen, rumrotzen, lautes nasehochziehn usw sind normal...
...eine stunde verspaetung istauch normal...
...wenn irgendwo ne party ist kommen generell 1000 leute, die nicht eingeladen sind 
   und den gastgeber nicht mal kennen...
...als weisse wird man von allen angemacht und zwar ganz schoen direkt...auf der
   strasse kriegt man von wildfremden menschen heiratsantraege!
...man kann alles auf der strasse kaufen...


uuups...

...wenn mich jemand ranwinkt geh ich generall erstimmer weg, weil die hier andere gesten haben...
...ich wollte schuhe fuer 18meticais/0,50 euro runterhandeln, statt auf 180\4,50...
...beim Spielen mit den Kids aus der Nachbarschaft is mir /als ich grad n radschlag gezeigt hab/ die Hose gerissen...


lecker-schmecker

...es gibt viel xima/gries und viel reis, beides wird mit fleisch gegessen...
...die kokosnuesse, papayas, bananen, ananas usw sind sooooo lecker!!...
...es wird viel majo gegessen und auch sonst sehr fettig...
...es gibt schokolade und auch sonst alles, aber arschteuer...
...zu nem Festessen gehoert immer Huehnchen und Pommes...


Sooo, ich bin ja nun schon 2,5 wochen hier, seit 10 tagen in meiner familie und es kommt mir schon vor wie eine ewigkeit. Ich bin grad im ajude office im internet...endlich mal! Mosambik ist toll!!! Alle leute sind soo offen und nett, die strassen sind immer voll mit leuten, marktstaenden und vielen kleinen kindern. es ist schoen warm, wird aber leider abends schon um 6 dunkel und auch n bisschen kuehl..man muss sich n pulli anziehn! Die erste woche im BASE mit den anderen volunteers war witzig! wir warn dauernd in der stadt unterwegs, ham versucht uns irgendwie zu orientieren und zu verstaendigen und warn verdammt aufgeregt auf unsere Familien! Jetztsind wir ja alle in unseren Familien und alle fuehlen sich ganz wohl. morgens sind wir alle in unseren projekten, mittags ham wir portugiesischunterricht und nachmittags Freizeit. Am Wochenende wird ordentlich gefeiert und getanzt.
Letztes Wochenende war heftig. Am Freitag bin ich um 6.30 aus dem haus ins projekt zum unterricht zum afrikanischen tanzkurs und dann feiern, die ganze nacht und morgens hab ich mich mit lo *schwester* in der stadtzum schuhekaufen getroffen. nachmittags war grosses essen bei uns zu hause, abends ne feier bei mikas, der geht jez fuer 1jahr nach deutschland und danach wieder disco. Ich war sonntag schon um 7h morgens zu hause..nachts darf ich nicht alleine nach hause laufen..und stand vor der geschlossenen tuer. musste ne halbe stunde warten, bis Aylton *bruder* wach war. dann konnteich 2stuendchen schlafen und danach gings ab zu ner familienfeier. Taufe. ca 80 leute..cousins, tanten, onkel, kp..viel zu essen, kuchen, musik, tanz. halt so ne feier. sonntag abend bin ich dann tot ins bett gefallen und heute morgen um 6.30 kaum aus dem bett gekommen.
Soo, das wars fuers erste, ich versuch demnaechst mal oefter ins internet zu kommen und vlt auch mal n paar fotos hochzuladen, wobei das n bisschen schwierig wird. Ich gruess euch alle und kuess euch ganz doll!!

Ich krieg grad ne Vollkriese...hab es endlich mal geschafft ans Internet zu kommen und mich eizuloggen...dann hab ich euch nen schoenen langen textgeschrieben, wollte ihn gradespeichern und dann war das Internet weg...aaaahhhh....naja, ich speicher jetzteinfach immer schon kleinere Abschnitte ab.
Aaalso, von vorne, wir haben Montag, den 14.09.09, langsam kehrt Alltag ein, ich bin immernoch begeistert von diesem Land, dieser Stadt und vor allem den Menschen hier!
Mein Portugiesisch ist mittlerweile so gut, dass ich alles sagen kann, was ich will und mein Shangana macht auch langsam aber sicher Fortschritte. Ich hab immernoch kein Handy, meine Orientierung war noch nie die beste und hier sieht ja alles so gleich aus und die Chapas sind fuer mich auch immernoch Abenteuer pur...

Achso, ihr koennt mich uebrigens unter der Festnetznummer 00258|21|442676 am besten so gegen Abend erreichen. Sonst koennt ihr auch einen Brief an folgende Adresse schreiben (und hoffen, dass er ankommt(
Lena Geske
AJUDE
Rue da Mesquita 222
P.0177, Maputo
flat 15, 1 andar
Mozambique
Meine E/mails gucke ich nicht, oder wenn dann nur ganz ganz selten an.
Ansonsten schreibt einfach weiterhin ins Gaestebuch.

Ihr wollt nen Tagesablauf, ihr kriegt nen Tagesablauf...
5.00h Mamas Handywecker klingelt, ich wach auf.
6.00h ich steh auf, mach mein bett, geh raus, wasser holen, zaehne putzen...
6.15h ich hol wasser zum duschen, such das kaennchen, dusche, wasch mein
        Hoeschen, haenge es auf die waescheleine, geh rein und zieh mich an
6.45h ich pack meine tasche, falls was da ist, ess ich ein stueck brot, aehnlich wie
         baguette mit Butter und geh los
7.00h ich komm an der Haltestelle an und warte auf ein Chapa richtung Michafutene,
        das nicht soo ueberfuellt ist, dass es erst agr nicht haelt...manchmal kommt auch keins,weil das benzin teurer wurde, dann miss ich nach benfica und da umsteigen, aber das ist morgens voll aetzend, weils so voll ist und immer ein Kampf ist sich in
       die Chapas reinzuquetschen. Achja, ich nehm mittlerweile auch oefter die pick/ups
       richtung Malanga und spring dann in Zimpeto ab.
7.30h ich komm im Zentrum an, Gottesdienst...danach begruessen mich die Jungs,
        spingen mir in den arm, nehmen meine hand usw...
8.00h Fruehstueck, Brot und Tee
8.30h Gartenarbeit, Feld pfluegen, waschen, aufraeumen, was halt grad so ansteht
9.30h die Jungs gehn duschen, cremen sich mit Vaselime ein, kaemmen ihre Haare und
        ziehen ihre blaue schuluniform an
10.00h die jungs holen sich ihre kekse fuer den schulweg ab, ich bringe sie zur schule
          und hole die aelteren von der schule ab
10.30h Ich gebe den Jungs Portu bzw Matheunterricht.zum portuunterricht hab ich sie in 2 gruppen eingeteilt. mit denen, die einigermassen lesen und schreiben koennen schreibe ich ueberwiegend laufdiktate, denen die nicht mal das komplette alphabet kennen bringe ich die einzelnen Buchstaben bei...beginne sozusagen von 0.
11.30h die grossen Jungs duschen
12.00h Mittagessen mit den groesseren Jungs, gibt immer viel, meistens reis oder
          xima mit fleisch, fisch, und oder sosse bzw. covi...
13.00h ich gebe allen 35 kiddies, den kleinen und den grossen Englischunterricht, was ein bisschen schwierig ist, aber sie koennen mittlerweile alle die 3 lieder, die ich immer wieder wiederhole, n bisschen smalltalk und zahlen. wir sind grad dabei wochentage, monate und farben zu lernen...auf jeden fall sind alle, fast alle, hochmotiviert und haben spass am lernen und das ist die hauptsache. das schoenste ist, dass ich jeden Tag Fortschritte sehe!
    Dienstags und Donnerstags gehts von 14 bis 16h mit je 8 kiddies schwimmen
danach wird gespielt...Fussball, Basketball, Murmelspiele, ...

Montags, Mittwochs und Freitagsgehts dann so weiter
18.00h traditioneller, mosambikanischer Tanz
20.00h n Chapa nach Hause finden, zur Haltestelle Magoanine, ich wohne uebrigens in Mahotas, nicht in Laulane hab ich erfahren...
21.00h abendessen
22.00h ab ins bett

Im Moment bin ich viel im Zentrum, auch letzte Woche am Feiertag und Samstag um mit den Kiddies zu spielen und zu reden...ich fuehl mich da richtig wohl...naeheres dazu naechstes mal, hab keine zeit mehr...
Mit meiner Familie bzw Mutter hab ich doch mittlerweile einige kleinere auseinandersetzungen, weil hier einfach alles so anders ist und ich nicht einfach immer alles so uebernehmen kann...dazu auch naechstes mal mehr...
Ansonsten lerne ich langsam einige Leute kennen, mit denen ich mich echt gut verstehe und knuepfe schon ein paar Freundschaften...

So, jetzt muss ich mich schnell um mein Visum kuemmern und dann ab zum Tanzen, wir ham schon 17.20...ganz viele liebe Gruesse euch allen! Bis zum naechsten Mal...

Die ersten drei Monate sind schon rum, die Zeit vergeht schnell, viel zu schnell... Mir geht es gut, im Gegensatz zu meinen Mitstreitern hab ich hier gesundheitlich keine Probleme, abgesehen von dem ùblichen Stress vit meiner Haut. An einigen Tagen ist es mittlerweile so heiss, dass man sich vor Trágheit kaum bewegen mag und sich in Gedanken ins kúhle Wasser der Traumstránde etwas nórdlich ausserhalb der stadt sehnt. Aber dafúr hab ich kaum Zeit, denn ich fúhle mich in meinem Projekt so wohl, dass ich fast meine komplette Zeit mit den Kids verbringe. Am Wochenende ruh ich mich tagsúber aus, rede viel mit Freunden und abends/nachts sind wir meist unterwegs. Ich hab hier viele Freunde, darunter einige sehr gute und vertrauenswúrdige: da wáren an erster stelle Tomé, einer der ehemaligen, schrecklich dúnn und immer mit viel zu weiten klamotten, grossen Narben im Gesicht, dunkle Augen, die mir stándig all seine Gedanken erzáhlen und eine dicke Matte dichtes Haar auf dem Kopf. Wir reden sehr viel und úber alles, erzáhlen uns gegenseitig Geschichten aus unserer so gegensátzlichen Kindheit, philosophieren úber Gott und die Welt und singen viel.

Dann wáren da Pedro und José, ebenfalls ehemalige. Wenn wir alle zusammen sind machen wir die meiste zeit witze, verarschen andere leute ode runs gegenseitig und lichen viel. Sendwe, den ich immer Sandwich nenne, weil ich den Namen sonst eh falsch aussprechen wúrde, kommt aus dem Kongo und wir unterhalten uns meist auf Franzósisch, wobei daraus dann immer ein Mischmasch aus mehreren Sprachen wird. Wir quasseln eigentlich stándig, sobald wir uns sehen und oft sich umstehende Leute amúsiert oder irritiert, wenn sie versuchen unsere Sprache zu erkennen.

Ich habe auch ein paar Freundinnen und mit den anderen Deutschen verstehe ich mich auch gut, aber mit den vieren verbringe ich die meiste Zeit und sie sind es, die mir immer zur Seite stehen, wenn es Probleme, insbesondere mit meiner Gastmama, gibt. Ja, mit ihr habe ich so meine Schwierigkeiten. Sie verkórpert die traditionnelle mosambikanische Kultur in all ihrem Denken und Handeln und es ist doch weitaus schwieriger sich dem anzupassen, als ich gedacht hatte. Unsere Beziehung leidet unter zu wenigen Gespráchen – hier wird úber Probleme nicht gesprochen, auch nicht, wenn ich úber meinen Schatten springe, mir die passenden Worte zusammen suche und um ein Gesprách bitte – und unter zu wenig gegenseitigem Verstándnis. Schwierige Themen sind immer wieder Geld, Freunde und Privatspháre und auch mit der hier verdammt stark ausgeprágten Familienhierarchie habe ich so meine Probleme. Aber gerade aus diesen Auseinandersetzungen lerne ich sehr viel ùber die Kultur, das Denken der Menschen und ùber mich selbst. Auch die Arbeit mit den Strassenkindern und die Gespràche mit den Ehemaligen machen mich sehr nachdenklich. Die Erwartungen an das Leben sind so niedrig und manchmal scheint alles so schrecklich sinnlos. Mir fállt es schwer das zu erklàren und ich glaube man muss selbst hier sein um das zu verstehen und selbst dann ist es unbegreiflich, scheint alles wie ein Film. Selbst die Jungs beschreiben ihr Leben als Film, obwohl es deutlich sichtbare Zeichen an ihrem Kórper und noch stárkere in ihrer Seele hinterlassen hat.

In der sogenannten ”Kindheit” Tag fúr Tag auf der Strasse Fisch verkauft, den Ertrag abends erschópft den Eltern gegeben, die sich davon Alkohol gekauft haben. Wiedermal hungrig auf den Tisch geklettert, der als Schlafplatz wenigstens trocken bleibt, wenn der Regen den Boden in Schlamm verwandelt. Von den Eltern und/oder anderen Familienmitgliedern geschlagen, andere sind verschwunden oder gestorben und letztendlich von Hunger, Einsamkeit und Schmerz im Kindesalter auf die Strasse getrieben. Dort aufgewachsen, gelernt zu úberleben, aber nicht zu leben. Hier im Zentrum dann auf recht brutale Weise ”sozialisiert”, zum Glauben gebracht, unterrichtet und zu irgendwelchen, (mittlerweile) oft fremden Familienmitgliedern ”reintigriert”. Heute mit 20jahren in der 8.Klasse der Abendschule, alleine in einem Raum im Garten des jeweiligen Vermilienmitglieds wohnend und tagsúber fúr Essen und Chapageld schwere kórperliche Arbeit verrichtend. Die Aussichten auf vernúnftige Arbeit sind schlecht und die Lebenserwartung liegt hóchstens bei 40. Der Wunsch irgendwann mal ein eigenes Haus zu haben und eine Familie zu grúnden in der alles ganz anders sein soll, lásst sie fleissig arbeiten und lernen, bleibt aber zunáchst mal ein aussichtsloser Wunsch.

Und dann komm ich daher, im gleichen Alter, das Leben aber noch vor mir, erzáhle von einer glúcklichen Kindheit mit Kindergeburtstagen, Familienausflúgen in den Zoo und ins Freibad, Picknick im Wald, Schlitten fahren, Plátzchen backen, gemeinsamen Familienurlauben…vom Autofahrem, fliegen und Fallschirm springen, vom Studentenleben und all meinen Zukunftsplánen.

Mein Blick wandert vom Wellblechdach, úber das glaslose Fenster, die lóchrige Matratze, auf der wir sitzen, seine viel zu grosse alte Hose, die dúnnen Ármchen, das vernarbte Gesicht…und das Leuten der Erinnerung erlischt in meinen Augen. Unsere Blicke treffen sich und wir schweigen beide…

Dieses Gefúhl und auch das Gefúhl der Machtlosigkeit habe ich hier sehr oft, obwohl ich weiss, dass es fúr die grossen und kleinen Jungs einfach schón ist, dass ich fúr sie da bin, mit ihnen rede, ihnen zuhóre, sie in den Arm nehme, ihnen Dinge wie Englisch, Mathe und Informatik beibringe und ihnen das Gefúhl gebe, dass sie wichtig sind und dass aus ihnen etwas werden kann. Das Zentrum ist der Ort, wo die Kids lernen zu leben und es ist so schón Teil davon zu sein, mit ihnen zu leben, vertrauen aufzubauen, sich zu amúsieren, einfach sorglos zu spielen und ihnen erlauben, Kind sein zu dúrfen.

Jetzt, wo die Sommerferien anfangen haben wir viel Zeit kreativ zu sein, ich habe eine Musikgruppe, eine Bastel- und Malgruppe, wir haben unsere eigene kleine Talentshow geplant und mal sehen, vielleicht schaff ich es auch bald eine Theatergruppe aufzubauen. Ansonsten spiele ich mit ihnen, wir machen Sport oder sie dúrfen in der Bibliothek stóbern. Aber vormittags haben sie auch Pflichtprogramm, das aus aufráumen, putzen, waschen, kochen, Gartenarbeit und meinem Unterricht besteht.

Ich hab die Kids alle so ins Herz geschlossen! Jetzt muss ich nur nur Shangana lernen, um mich noch besser mit ihnen unterhalten zu kónnen. Ich bin schon fleissig dabei; noch ein paar Monate und ich spreche fliessend!

Das alltágliche Stadtleben hat mich mittlerweile verschluckt und manchmal sehne ich mich danach rauszukommen, was anderes zu sehn, das Dorfleben, die Ruhe, Natur, schóne Strànde, gerade jetzt, wos so heiss ist. Wir hatten letzte Woche 40 grad! Die Mangos reifen jetzt, es gibt sie úberall, in allen Farben und Gróssen und sie sind sooo lecker!!!

Ich bin grad bei den Missionaren und scheibe diesen Text auf pc, mit ein bisschen glúck funktioniert gleich das Internet und ich kann ihn online stellen. Heute nachmittag werde ich mich mit Hbonny von der Organisation treffen –hab ewig nix mehr mit den allen zu tun gehabt- und úber meine Familiensituation sprechen. Meine schwester ist vor knapp 3wochen wegen problemen mit unserer mutter kurzerhand zu oma gezogen und scheint auch nicht wiederkommen zu wollen. Meine mama war das letzte wochenende unterwegs und hatte den einzigen schlússel, den es fúrs haus gibt mit, sodass ich nihcht reinkam. (zum glúck hab ich den schlússel von tomés ”raum” und er hat mir ein paar seiner viel zu grossen anziehsachen geliehen. Mein Gastbruder hat grad Examen und ist sehr bescháftigt, der einzige, auf den ich mich freue, wenn ich nach Hause komme, ist ein kleiner Hundewelpe, den mama vor 2 tagen in dem kleinen Hohlraum unter der spúhle eingesperrt hat und den ich, nachdem ich ihn entdeckt hab mit Brei aufgepáppelt hab.

Náchste Woche hab ich Geburtstag und werde hier im Zentrum ein bisschen mit meinen Jungs feiern, am Samstag, den 14. machen wir mit den Ehemaligen einen Ausflug nach Bilene, einen Strand mit klarem Wasser und einem breiten Streifen hellem, feinen Sand und am 17. kommt Mama Kiki mich fúr 10 tage besuchen und ich zeig ihr hier alles! Ich freu mich schon soo!!!

Wann immer mich irgendwer von euch besuchen kann/will, komm!! Ich freu mich und zeig dir hier alles! Und meldet euch mal bitte ófter, ich will wissen, wies euch allen geht, was ihr so treibt – denkt daran, hier ist es jetzt ne stunde spáter, aber ihr kónnt trotzdem jeder Zeit anrufen (00258-822785373)!

Papa, die Strassbourg-gerúchte reichen bis hier, klár mich doch mal auf und am besten kónnen wir in Ruhe quatschen, wenn du mich besuchen kommst, ich kenn hier n paar gemútliche Plátzchen, wo mans mit nem ”Laurentina Preta” ganz gut aushált ; ) , Lisa, ich hab gehórt, dass mein Brief angekommen ist. Das mit den Rúckbriefen ist allerdings sehr unzuverlássig, also meld dich lieber anders. Opa Ebi, wie gehts dir, was macht dein Knie? Ich drúck dir die Daumen, dass es bald operiert werden kann. Von dir wúrde ich gerne wissen, was du úber meine Berichte so denkst, vlt kannst du ja mal ins Gástebuch schreiben (lassen). Ich bin sehr neugierig. Marion, freut mich, dass du Fragen und Ratschláge hast. Zu den Fragen: Meine Jungs sind Strassenkinder, aber nicht unbedingt Waisen. Die meisten haben Eltern(teile) und einige haben sogar mittlerweile Kontakt zu ihnen. Ziel des Zentrums ist es die Kinder von der Strasse so weit  zu ”sozialisieren”, zu unterrichen und vorzubereiten, dass sie nach 2 bis 5 Jahren wieder in ihre Familien integriert werden kçnnen, wobei das nicht immer Eltern, sondern auch Tanten, Geschwister oder Stiefeltern von Cousins sein kónnen. Mit der Aufkláhrung ist es etwas schwierig, weil das Zentrum sehr religiós (christlich) ist und die aufklárerischen ideale ganz andere sind...ausserdem sind die Jungs schon ca 10/12 jahre alt, wenn sie zu uns kommen. Und auch wenn sie áusserlich noch Kinder sind, haben sie doch in kurzer Zeit viel gelebt und wirken manchmal sehr alt. Juja, ich hab mich ganz doll úber deine umarmung gefreut ; ), danke. Wie gehts euch, was treibt ihr so, hab gehórt du bist zu den feinden úbergetreten oder besser mit den feinden geschwommen...ich bewundere dich, du hast meinen vollen Respekt! Miri, auch dein Brief ist leider (noch) nicht angekommen, ich will wissen, wie dein Studium ist und úberhaupt alles, und Eli, wie gefállt dir Kanada? Ich werd dir und Felix auf jeden Fall schreiben, jetzt wo ich eure Adressen hab! Wenn ihr spezielle Fragen an mich habt, schreibt sie ins Gástebuch, wenn ihr mehr úber die Stadt, das Leben, die Menschen und die Strasse wissen wollt, lege ich euch ausserdem ans Herz den ”Chronist der Winde” von Henning Mankell zu lesen. Der Charakter Nelio ist hier sehr real und ich glaube, ich werde ein áhnliches Buch schreiben um meine erfahrungen zu verarbeiten, um sie fúr euch zugánglich zu machen, und um den Stimmen meiner Jungs zu helfen, sich wie siedendes Wasser aus dem lauten Brodeln der Stadt zu schleichen, und sich schliesslich in meinem Buch als kostbarer Wassertropfen wieder zu sammeln. Ihr seht, es geht schon mit mir durch..hehe

Liebe Grússe, ich vermiss euch alle. Oma und Opa, ich muss so oft an eure ganzen Urlaubsgeschichten denken und finde so einige komische Denkweisen wieder, von denen ihr berichtet habt. Es ist doch irgendwie ein Abenteuer… 

 

Start in den Morgen

Froehlich plaetschert es aus dem Schlauch,
der Eimer fuellt sich mit dem kuehlen Nass.
Das Plastikkaennchen seh ich auch,
wartet brav auf dem Wasserspeicherfass.

Im Chapa ist es eng und heiss,
Arm, Bein, Salat, Huhn, Mais, Reis, Babys, puhh.
Der Bass droehnt laut, es laeuft der Schweiss,
Schlagloch -wam- die Tuer geht laengst nicht mehr zu.

Am Tor mit nem "O bom"begruesst
gehts weiter die Palmenallee entlang.
Ne Mango mir den Weg versuesst
und die Voegel fliegen zwitschernd voran.

Doch der beste Start in den Morgen
ist die Freude meiner Jungs, mich zu sehn.
Ihr Strahlen vertreibt alle Sorgen
und es scheint, als waer die Welt immer schoen.

So, jetzt heisst es aber erstmal Abschied von den Kids. Neun Stueck wurden in ihre Familien integriert und obwohl sie mir jetzt schon fehlen, hoffe ich, dass keiner von ihnen zurueck kommt. Auch die anderen Kids sind mittlerweile alle fuer die Weihnachtsferien in ihren Familien.
Ich versuch mal an den letzten Eintrag anzuknuepfen und schreib dann chronologisch.

Mein Geburtstag war supertoll. Die ganzen "alten" Chefs und Arbeiter haben einen ausflug gemacht, die Missionare hatten mir den Schluessel von ihrem Haus dagelassen  und schon am Vortag hatte ich bei ihnen vier kuchen gebacken und wir hatten von morgens bis abends das Zentrum fuer uns alleine und ich konnte tun und lassen, was ich wollte.
Erstmal ausschlafen, dann ein grosses Fruehstueck mit Nutellabroetchen und Kakao.
Weiter gings mit nem Filmchen -Madagaskar- und Popkorn. Dann ham wir alle den grossen Allzweckraum mit Luftballons geschmueckt und ham uns im Pool der Missionare abgekuehlt.  So gegen drei gabs Mittagessen und im Anschluss Kuchen mit der traditionellen Szeremonie...So ein anfeuernder Gesang, auf den ich dann mit einem Freund immer entsprechend reagieren musste...erst mit gekreuzten Armen trinken, dann zusammen den Kuchen anschneiden, dann gegenseitig fuettern und dann schreien alle "beijo"...
Dann gabs Musik, tanzen und witzige Spielchen, fuer alle aus der Grundschule die Olympiade von unserer Klassenfahrt damals. Abends ham wir ein Lagerfeuer gemacht, gesungen und Marchmellows gegessen.

Eine Woche spaeter war ich zum zweiten Mal an dem wunderschoenen Strand in Xai-Xai, diesmal mit den Reintegrados aus dem Zentrum und diesmal warn sogar ein paar Wellen, die einen verschluckt und wieder an den Strand gespuckt haben.

So dann war auch schon die schoene, viel zu kurze Woche mit Mama, in der wir einmal das volle Programm im Schnelldurchlauf hatten. Leider hatte es ja in der Woche ausgerechnet tagelang geregnetund alles stand unter Wasser, aber die letzten drei traumsonnentage auf der paradiesischen Insel Inhaca haben das wieder gut gemacht. Also diese Insel ist der schoenste Ort, den ich je gesehn hab und ich werd noch oefter dahin, sie ist ja nur knapp zwei stunden entfernt. Ich werde also auch noch oefter was dazu schreiben.

Am Sonntag habe ich zufaellig Eugenio, einen meiner Jungs auf der Strasse getroffen. Ich bin natuerlich sofort zu ihm hin und hab gefragt, was passiert ist.
Nach langem herumgedruckse hat er letztendlich gesagt, dass er von einem der Erzieher geschlagen wurde und keiner zum reden da war, weder die chefs, noch ich, und erdaraufhin weggelaufen ist. Jetzt wollte er, dass ich mit ihm zum Zentrum gehe und mit den Chefs rede, aber es war Sonntag abend. Sprich das Zentrum ist zu und ich konnte ihn ja schlecht mit nach Hause nehmen, also musste ich ihn wohl oder uebel die Nacht ueber auf der Strasse lassen und ihr kennt mich..es ist mir verdammt schwer gefallen. Wir haben uns fuer den naechsten Morgen um 6 an der Chapahaltestelle verabredet, wo er auch brav mit nem Freund gewartet hat. Die 2 haben das trockene Brot, was ich uns als Fruehstueck gekauft hatte verschlungen, als waere es Schokolade..dieser Freund, auch ein Strassenkind, hatte die ganze nacht mit Eugenio verbracht und auf ihn aufgepasst und als wir los wollten und ich ihn gefragt hab, ob er nicht auch ins Zentrum will hat er mich ganz ernst angeguckt und gesagt, dass er seine Gruppe nicht im Stich lassen koenne, er sei Chef der Gruppe und somit verantwortlich. Und zu Eugenio meinte er "komm bloss nicht wieder, wir wissen beide es ist das beste fuer dich". Ich haette heulen koennen..das sagt ein kleiner Junge zu einem guten Freund..das muss man sich mal vorstellen... Aber es waere ein schlechter Zeitpunkt zum weinen gewesen, schliesslich wollte ich ja mit den Chefs reden und musste dafuer ein paar mehr Einzelheiten von Eugenio wissen. Nach dem Gespraech war zwar alles gut und geklaert, aber ich war total fertig...

Am ersten Dezember sind endlich Briefe angekommen. Von Martina, Juergen, Elisabeth und Sim. Danke, ich hab mich  so doll gefreut,  dass ich den Leuten rings um mich herum schon peinlich war...hehe...aber dein Brief, Miri, ist nicht angekommen, er war bestimmt so dick, dass die dachte, da koennte was schoenes drin sein...



Diesen Monat war habe ich einige meiner Jungs nach Hause  in die Ferien begleitet...
Eine Gefuehlsachterbahn...waehrend bei dem einen die kleinen Geschwister angerannt kamen und ihm freudig auf den Arm gesprungen sind, stand ein anderer vor verschlossener Tuer und nichtmal ein Nachbar war so nett ihn zu empfangen. Waehrend der eine vor einem schoenen Steinhaus Haus mit grossem Garten stand,  blickte ein anderer auf  die  kleine Strohhuette und wieder  ein  anderer  verschwand irgendwo in den kleinen Gassen eines halb zerfallenen Dorfes, das groesstenteils aus Muell bestand. Man kann sich das gar nicht vorstellen, es war fuer mich wie ein Film, ein Alptraum..ich wollte Fotos machen, weil alles so unwirklich schien, aber der Schock hatte meine Hand eingefrohren, die die Kamera fest umklammert hielt, als sei sie der Rettungsring eines Schiffbruechigen im stuermischen Ozean...die Bilderhaben sich so doll eingebrannt, dass ich sie auch jetzt, waehrend ich das schreibe, deutlich vor mir sehe. Manche haben sich auf ihr zu Hause gefreut, andere konnten sich nichtmal richtig dran erinnern. Manche Familien waren freudig und interessiert, andere abweisend und kalt, wieder andere erst gar nicht da.Aber am schlimmsten war es fuer mich die kids abzuliefern, deren Familien in der woche mitten am tag schon besoffen waren und gar nichts mitgekriegt haben...

Nachdem jetzt alle weg sind ist das Zentrum leer und leblos. Um die ganzen Bilder zu verarbeiten und neue Energie zu tanken bin ich mit meinem Cousin eine Woche zu seinem Vater nach Inhambane gefahren und hab die schoenen Straende geniesst. Ich hab viel gelesen, Musik gehoert, geschrieben, einfach nur nachgedacht, mich entspannt und brauchte Zeit fuer mich. Dafuer ist Inhambane genau richtig. Es ist eine schoene, saubere, kleine, sehr ruhige Stadt. Die Familie von meinem Tio ist auch sehr locker, offen und nett und die kleine ist sooooo sueesss. Son stoepsel, der gradso laufen und brabbeln kann. Schokobraun und immer am strahlen. Die andere Tochter war etwas frech und anstrengend, ziemlich albern und staendig am schnattern, aber auch ganz suess - ist nachts immer zu mir ins Bett gekrabbelt...
Am Tofo strand stand ein Weihnachtsbaum, geschmueckt mit Geschenken und Wasserbaellen, der mich daran erinnert hat, dass wir echt schon Dezember haben und ihr alle zu Hause bei Minusgraden mit Keksen und Kakao im Kerzenschein sitzt.

Hier ist es nur heiss, heiss und heisser...nachts schlaeft vor Hitze kaum und tagsueber kann man sich nicht bewegen. Man koennte alle 2min duschen und trocknet erst gar nicht, sondern schwitzt direkt. Selbst mir laeufts am ganzen Koerper runter, am schlimmsten beim morgendlichen heissen Tee....baaeeeehhhh...
gestern hab ich die Hitze spontan mal so zusammengefasst>
baeh is dat heiss
et stroemt der Schweiss
keen Arsch kann sich bewegen
alle sin wa der Hitze erlegen
ihr koennts euch echt wie in ner Sauna vorstelle und zwar ne Dampfsauna, die Luftfeuchtigkeit ist hoch...und es steigert sich noch bis Januar...von den 35grad wirds noch bis auf knapp 40ansteigen, da kann mans echt nur im pool oder am strand aushalten. und das ist genau mein plan>

Nachdem ich Weihnachten 24. mit ein paar Freunden bei Tome und am 25 mit Familie feier, gehts fuer mindestens eine Woche ueber Silvester ab nach Inhaca, abseits von jeglicher Zivilisation am Traumstrand alles Traumstraende mit Tome und Zelt. Plan ist nach der Woche fliessend Shangana zu sprechen / nicht so unrealistisch, ich sprech schon ganz gut,neue Ideen fuers Zentrum zu sammeln und an dem Buch weiterzuschreiben. Tome will, dass ich ihm im austausch ein bisschen Deutsch und schwimmen beibringe und auch englisch sollten wir n bissl ueben...Ich werd die Woche nicht erreichbar sein, sondern erst wieder so um den 7.1. deshalb wuensche ich euch allen jetzt schonmal frohe Weihnachten, nen guten Rutsch und ein frohes Neues. Mal sehn, was das neue Jahr mit sich bringt, fuer mich warscheinlich endlich einen Familienwechsel und 9 neue Kids...alles weitere kommt dann spaeter.
Wens intressiert, mein Mittelauswertungsseminar ist vom 17. bis zum 21.1. in Maputo.
Das wars von mir, jez brauch ich erstmal dringend was zu trinken und ein Klo. Dann werd ich nach ein paar Geschenken gucken und vlt aufm Rueckwegkurz bei Eugenio zu Hause vorbeischaun. Liebe Gruesse auch an alle, die nicht regelmaessig lesen weiterbestellen.


Heute ist Montag, der 18. Und ich bin seit gestern in Maracuene zum "Halbzeitseminar". Wir haben gerade Grafen aufgemalt, die alle Veraenderungen der ersten Haelfte zeigen und es war sehr interessant: Viele fangen gerade erst an sich einigermassen auf portugiesisch zu verstaendigen, Freundschaften zu knuepfen und sich richtig einzuleben. Einige Freiwillige fuehlt sich  in  ihren Projekten leider ungebraucht und nutzlos, andere haben sich mittlerweile eingelebt und angepasst und ein paar wenige haben Eigeninitiativen ergriffen und echt interessante Projekte gestartet. Der Simon(ausstudiert) zum Beispiel war jetzt schon ein ganzes Jahr hier - fuer ihn ist es das Endseminar - und hat fuer sein Aidsaufklaerungsprojekt Interviews mit den unterschiedlichsten Menschen in ganz Mosambik gemacht. Super interessant. Was er alles erlebt hat ist der Wahnsinn! Und wer weiss, was sich bei uns anderen im naechsten halben Jahr noch so alles ergibt                                                                                                    Probleme mit Gastfamilien kennen eigentlich alle, nur die Anna fuehlt sich in ihrer Familie richtig wohl und ist vollstaendig anerkanntes Mitglied geworden. Ansonsten haben die moisten schon ein oder mehrmals gewechselt. Ich habe ja auch endlich die Familie gewechselt, nachdem ich letzten Monat viel unterwegs war und ansonsten bei Tome gewohnt habe. Meine neue Familie ist bis jetzt sehr nett. Es ist immer full house, viele Kids, ein ganz ganz suesses baby!!(fotos kommen ;) Meine Gastmama arbeitet viel und ist deshalb selten zu Hause und alle aelteren Gastseschwister zeigen wenig Interesse, aber deren kleine Kinder sind ganz knuffig. Ich habe mein eigenes Zimmer, werde immer reingelassen und begruesst, kann Freunde mitbringenalso alles ganz locker und entspannt. Ich wohne jetzt direct an der Muellkippe, die meine "Zona Verde" (=Gruenzone) von "T3" trennt und somit mitten in der Mitte von den moisten deutschen Volunteers. Muss jetzt also auch immer ueber "benfica", einen staendig total ueberfuellt-chaotischen Xapaknotenpunkt und Billigmarkt, total geil und superaetzend zugleich! Aber dazu spaeter mal mehr                                                                                                                    Die Ferien sind vorbei, die Schule hat heute angefangen und meine Jungs sind endlich  wieder zurueck!:) Und ausserdem 4 Neue (5 kommen noch), die alle ganz niedlich sind, nicht sehr lange auf der Strasse waren, dafuer aber ein absolute beschissenes (sorry, aber das triffts) Familienleben hatten. Einer ist noch voll klein - ich wuerd ihn auf hoechstens 8 schaetzen - und wird von den anderen ziemlich fertig gemacht.Mehr kann ich noch nicht sagen, weil ich die nur einen Tag gesehen hab, dann hat das Seminar angefangen                                                                    Wir sind hier in einer grossen, modernen Tourianlage: Zimmer mit heisser Dusche, Klimaanlage, Fernsehr, alles; grosser Pool, arschteure Bar, Billiardtische; wir warden staendig bedient (Essen, Trinken). Finds total uebertrieben und irgendwie unpassend. Ganz ehrlich, ich fuehle mich hier unwohl. Das ist halt genau das, was ich nie wollte: wie Touris, die Luxusurlaub machenaber gut, der Grossteil scheint damit kein Problem zu haben. N paar von den Maedels haben vor kurzem Urlaub an der Kueste im Norden gemacht, mit Tauchkurs und Ausflug auf unbewohnte Inseln. Sie haben superschoene Fotos gemacht Ich weiss, ihr sagt mir auch immer, ich soll ein bisschen reisen, viel vom Land sehen. Aber es reizt mich einfach nicht mehr so doll, ich koennte die Zeit mit meinen Jungs verbringen und von dem Geld ein ganzes Haus bauen, einer Familie ein zu Hause geben oder zum Beispiel einen Computerkurs fuer einen der Reintegrierten finanzieren, der dann mit PC-Reparaturen Geld verdienen und endlich eigenstaendig warden koennte ode rein vernuenftiges Essen fuer alle Menschen, die in den Strassen der Baixa leben, zu kochenich koennte Menschen, ja Freunde, gluecklich machen. Ich koennte meiner Familie(Fam von Tome) helfen, ich koennte so viel Gutes tun und haette so viel mehr davon. So schoen kann kein Strand dieser Welt sein! Oh man, hier mangelt es so sehr an allem und wenn man die Leute kennt und mag und mit ihnen zusammenlebt, ist es echt schwer sich zwischendurch "Luxusgueter" (Schokolade, Kaese, Disco) oder sogar Reisen zu goennen! Ich weiss nicht, ob ihr das nachvollziehen koennt.

"Einer familie ein zu Hause geben" ist genau mein Plan. Zusammen mit anderen Freiwilligen moechte ich Romao, einem meiner im Dezember integrierten Kids, und seiner Mama ein kleines Haus bauen. Das geht natuerlich nicht ihne finanzielle Hilfe und da das Zentrum gerade selbst in einer finanziell schweren Lage ist, habe ich mal einen Bericht verfasst (eigentlich mit Foto, aber ich konnte es nicht hochladen):

2.CHANCE FÜR MEIN STRASSENKIND

Afrika. Bom dia. Ich bin die Lena aus Dortmund und seit letztem Sommer für ein freiwilliges soziales Jahr (FSJ) in Mosambik. Hier arbeite ich in dem Centro Juvenil Ingrid Chawner, einem Zentrum, das Straßenjungen bei dem Start in ein neues Leben hilft. Zusammen mit den mosambikanischen Erziehern unterrichte und erziehe ich „meine Jungs“: Ich bringe ihnen Portugiesisch, Englisch und Mathematik bei, helfe ihnen bei Haus- und Gartenarbeiten und sie lernen Regeln zu respektieren und Vertrauen aufzubauen. Ziel ist es, die Straßenjungen innerhalb von 2-4 Jahren auf ein soziales Leben in der Gesellschaft vorzubereiten, sodass sie wieder in ihre Familien eingegliedert werden können und eine zweite Chance haben.

Romão, heute 14 Jahre alt, hat sich nach zwei Jahren Überlebenskampf in den Straßen Maputos  für einen Neuanfang im Zentrum entschieden. Er war von Anfang an erstaunlich ruhig, hat all seine Gefühle stets singend zum Ausdruck gebracht und sein breites, glückliches Grinsen hat mich jeden Morgen begrüßt. Innerhalb von nur einem Jahr hat er sich zu einer sehr pflichtbewussten, respektvollen Person entwickelt und wohnt seit Dezember 2009 wieder bei seiner Mutter.
 
                                        HAPPY ENDING?
                                          NICHT GANZ

Sein neues zu Hause ist eine kleine Strohhütte mit einem rostigen, löcherigen Wellblechdach, ohne Strom und ohne Wasser, irgendwo im Nichts, eine Stunde vom nächsten Dorf entfernt. Hier, in Mosambik, ist gerade heißer Sommer und Regenzeit. Es regnet oft tagelang und so doll, dass erst letzte Woche wieder die komplette Innenstadt Maputos 80cm unter                              
 
                WASSER DRINGT DURCH DAS ROSTIGE WELLBLECHDACH

Wasser stand. In Romãos Haus dringt das Wasser durch das Dach, alles ist nass und der Erdboden ist aufgeschwemmt. An solchen Tagen wird der Lebensunterhalt, die Kohle, feucht und niemand kauft oder tauscht sie gegen Essen. Romão legt sich wieder einmal mit hungrigem Magen zum Schlafen auf den kleinen Holztisch in der Mitte des Hauses. Dort wird er vielleicht nicht ganz so nass…

Mein Wunsch ist es, Romão und seiner Mutter ein kleines, aber dichtes und stabiles Haus zu bauen. Pläne, Motivation und freiwillige Helfer stehen schon bereit. Ich bitte um ein klein wenig finanzielle Unterstützung, um das Vorhaben zu realisieren.

Ich bin sicher, dass wir somit bald wieder den glücklichen Romão von letztem Jahr sehen und wer weiß, vielleicht bedankt er sich sogar mit einem kleinen Lied?! 

[Interessierte Spender melden sich am besten in dem Gästebuch meiner homepage – www.tkll.de . Das Zentrum stellt Spendenquittungen aus. Vielen Dank.]                                                                                                 Lena


Falls ihr noch andere interessierte Leute kennen solltet, gebt den Bericht einfach weiter, bzw. bittet Mama Kiki um den Bericht mit Foto (mail ich ihr zu).

So, ansonsten gehts mir gut, ich finde immer weniger Zeit auf die homepage zu schreiben, was mir sehr leid tut, euch aber immerhin zeigt, dass ich hier gut beschaeftiggt bin. Und das bin ich wirklich! Im Januar war ich drei Tage mit anderen Volunteers in Suedafrika und natuerlich haben wir uns den Krueger Nationalpark nicht entgehen lassen. Es war einfach nur ein Traum!! Wir hatten richtig Glueck und fast alle interessanten Tiere gesehen und sogar die Jagd der selten sichtbaren Wildhunde life miterlebt!!! Ich hab ganz ganz viele Fotos gemacht, von Giraffen, Elefanten, Nashoernern, Bueffeln, Krokodilen, Affen, Schildkroeten, nem Nilpferd, was aber nur so eben den Kopf ausm Wasser hatte und und und. Hat sich auf jeden Fall sehr gelohnt. Und Suedafrika ist eine komplett andere Welt. Erinnert mich an Bilder aus den Staaten...viel viel hoeherer Lebensstandart...auch sonst, ueberhaupt gar nicht mit Mocambique zu vergleichen.

Im Moment bin ich sehr beschaeftigt: Im Zentrum haben wir zwei neue Freiwillige aus England und Schweden bekommen, die ich einweisen sollte. Ich haben einen riesen Tagesablaufplan fuer jeden von uns, die Kids und sogar ein paar der Mitarbeiter erstellt, den wir jetzt versuchen umzusetzen. Ausserdem habe ich eines meiner kleinen Ziele hier erreicht, was die Erziehung angeht. Die Jungs werden jetzt nicht mehr (so viel) bestraft, wenn sie etwas falsch machen, sondern gelobt, wenn sie alles richtig machen. Wer zum Beispiel von Montag bis Donnerstag immer puenktlich zum Portu- und Matheunterricht erscheint, der darf am Freitag mit uns rausgehen, ins Bairro oder sogar in die Stadt. So kommen sie wenigstens auch mal aus dem Zentrum heraus ins "richtige Leben".         Ausserdem gehe ich montags, mittwochs und freitags wieder zum traditionellen Tanz.     Bei Toto zu Hause haben wir endlich Fenster und Moskitogitter eingesetzt und kuemmern uns jetzt ums Verputzen der Waende, damit der Regen nicht mehr durchzieht, streichen von innen und verlegen Strom.                                                                                Tia hat ihren Putzjob in der Uni verloren (es gibt einen neuen,weissen Direktor, der willkuerlich fristlos feuert, seine komplette Familie in der Uni unterbringt und sie auch noch befoerdert!) und jetzt muss sie wieder wie vorher bei irgendwelchen Leuten putzen oder Erdnuesse verkaufen oder sonstwas...sie ist gerade ziemlich fertig. Es gibt fast nie etwas zu essen, die kids sind alleine zu hause. Die kleine Amcina muss alleine den Haushalt schmeissen, der groesste musste die schule abbrechen und soll versuchen in suedafrika arbeit zu finden, der zweitaelteste muss auch arbeiten und Tome will auch endlich Geld verdienen und seine Tante unterstuetzen. Wir ueberlegen gerade, was wohl am lukerativsten ist...vielleicht ein Kiosk direkt am Haus, wo er zunaechst grundlegende Sachen, wie Mehl, Zucker, Reis, oel und so weiter verkaufen koennte. Waer zumindest ein Anfang und wenn er etwas besseres findet, koennen die Cousins uebernehmen. Naja mal sehn.

Wenn ich mal nicht im Zentrum oder bei Toto bin, bin ich in der Zona Verde, meinem neuen Bairro. In der Zona bzw nebenan in T3 wohnen mehrere Volunteers und ich bin oefter mal bei Janis oder Thomas. Bei mir zu Hause blicke ich immer noch nicht durch, wer zu Familie gehoert, wer in dem Haus wohnt und wer nur zu Besuch ist und wie viele das ueberhaupt so sind. Es ist immer laut, voll und chaotisch. Meine Gastgeschwister sind alle so in dem Alter zwischen 20 und 35 Jahren und deren Kinder sind 0 bis 13Jahre alt. Eine der kleinen Maedels hat mir letztens 500mtz geklaut um Kekse zu kaufen!! Hat halt keine Ahnung von Geld. Wenn ich Sachen ausleihe bekomme ich sie meistens nicht wieder, aber ansonsten sind alle nett und freundlich, es gibt immer genug Essen..hehe..und ich habe mein eigenes Zimmer, in dem ich mich breit machen kann. Ich ann nach Hause kommen, wann immer ich will, Toto durfte schon mit da schlafen und auch sonst sind die ziemlich locker. Bis auf mein schrecklich unbequemes Bett, fuehle ich mich also ganz wohl da.    Hier ist es schrecklich heiss, die Hitze und die Moskitos sind unertraeglich. Tagsueber kann man sich kaum bewegen und nachts kann man nicht schlafen. Toto hat mich gestern "eingeladen" mich fuer 5mtz auf der Strasse in der Baixa wiegen zu lassen...60!! Aber ich hatte ehrlich gesagt schlimmeres befuerchtet. So, das wars erstmal wieder von mir. Ich versuche mal endlich bald Fotos hochzuladen, aber ich verspreche mal lieber noch nichts... Ganz viele liebe, heisse Gruesse! Beijos!!

Sooo...ich fasse die letzten paar Monate mal kurz zusammen:

Im Maerz die Bauarbeiten an Tomes Haus, unkompliziert und erfolgreich, und sein Geburtstag. Den haben wir richtig schoen mit guten Freunden, Musik und leckerem Essen gefeiert. Von Maerz bis Mai der Hausbau in Marracuene fuer meinen Schuetzling Romao, schrecklich muehsam (Material hinschaffen, zentrum verweigert jede hilfe,jedes mal  30min Chapafahrt und 1h Fussweg durchs Nichts hin und zurueck, Wasser tragen, Sand schaufeln, Zement mischen, fast ohne Hilfsmittel vernuenftig und stabil bauen, viel improvisiert, auf holzfeuer kochen, achja, wir mussten noch einen Baum faellen, das wasserfass wurde geklaut und ich weiss nicht was alles...) aber letztendlich sind wir ja fertig geworden, das Haus steht und alle sind gluecklich. Jetzt haben wir das letzte Bauprojekt in Angriff genommen, der Kiosk fuer die Familie. Die Waende stehen schon, ein Dach ist auch drauf, die Waende werden grad verputzt...Naechstes Wochenende ist Eroeffnung, bis dahin haben wir noch einige Arbeit. An alle, die mich bei den Bauprojekten unterstuetzt haben nochmal ein riesengrosses Danke.

Gesundheitlich bin ich nicht so aufm Hoehepunkt. Mich hats in der letzten zeit gleich 2 mal heftig erwischt, einmal ne fiese hautinfektion Anfang April und die letzte Woche lag ich mit ner Grippe im Bett. Ja hier wirds langsam Winter. Man braucht abends schon nen pulli wenns sich so bis 22grad abkuehlt. Das ist man nach dem heissen Sommer nicht mehr gewohnt. Ausserdem ist es in letzter Zeit knapp mit Essen und ich hab viel abgenommen, lass mich demnaechst mal wieder wiegen... 

Im Zentrum war ich jetzt relativ wenig, weil ich viel mit dem Strassenteam unterwegs war. Haengt damit zusammen, dass mein Liebling von denen, die dieses Jahr neu angekommen sind, schon zum 2. Mal abgehauen ist, aber ganz dringend Hilfe braucht. Also habe ich ihn eine Zeit lang taeglich auf der Strasse besucht, sein Strassenleben kennengelernt, mit ihm rumgealbert, sein Vertrauen gewonnen und ernst mit ihm geredet. Er heisst Samito, ist 14, total suess, frech, breites Grinsen, intelligent und hat die trennung seiner Eltern nicht verkraftet. Sein Vater ist Drogendealer, kifft selbst viel und hat ihn im rausch schon immer geschlagen, seine Mutter hatte ihn zurueckgewiesen, angeblich wegen Geldmangel, aber das war ihrem auftreten nach gelogen. Seit dem ist er auf der Strasse und weiss nicht wohin. Ich fuerchte er ist mittlerweile selbst suechtig und hat es deswegen im Zentrum nicht ausgehalten. Seinen Vater warn wir zusammen besuchen, da sollte er besser nicht hin. Ich werd mal mit der mutter reden und gucken, was da geht und ansonsten hat er hier jede Menge Tanten und Onkel..

Im Zentrum gibts etwas stress, weil viele der mitarbeiter  nen verdammt schlechten Umgang mit den Kids haben und nach mosambikanischem Erziehungsstil auch im zentrum viel geschlagen wird. Da gibt es dann die „Guten“, die an den Kids interessiert sind, ihnen helfen und fuer sie da sind und die Mehrheit, die wie die meisten menschen hier nur ans Geld denken, von den Kids genervt sind und eigentlich dauergestresst und schlecht gelaunt sind... und die 2 Gruppen stehn jetz gegeneinanden und schaukeln den Konflikt hoch. Recht gegen Mehrheit..oh das ist hier immer gefaehrlich, zumal die Chefs eindeutig auf der seite der Mehrheit stehen. Aber es gibt ja noch die Norweger und die Missionare..das wird noch spannend und ich werde weiterhin ordentlich mitmischen.

So, ansonsten habe ich bei meinem netten Krankenhausbesuch am Mittwoch mal wieder was dazu gelernt. Ich weiss jetzt, warum bei Unfaellen nie jemand zum Opfer geht, sondern alle anfangen mit dem Taeter zu diskutieren. Aus Angst selbst als Taeter beschuldigt zu werden. Dann wenn jemand Verletztes ins Krankenhaus eingeliefert wird, steht erstmal die Polizei auf der Matte und ermittelt plus bestraft den schuldigen. Wenn kein schuldiger da ist, wird das opfer gar nicht aufgenommen, unabhaengig davon, wie schwer die verletzungen sind. So, angenommen alles laeuft bis dahin gut, der Taeter ist da und zahlt, dann kommt die ganze Korruption erst richtig ins spiel. Ueberall wird versucht unter der hand noch ein bisschen mehr abzuknuepfen, jeder arbeitet gegen jeden und wenn richtig viel fuer operationen gezahlt wird, lassen sie auch gerne mal alles in die eigene tasche wandern, lassen das Opfer dafuer sterben  und der Bestatterfreund laesst  auch noch was dafuer rumspringen...grrr...also bloss keinen Unfall oder so...das war auch das letzte mal, dass ich de rein gehe.

Ich bin hier in einem der aermsten Laender der Welt und waehrend ich vorher an Mittellosigkeit und vielleicht  Bettlerei dachte, ist mir hier klargeworden, was das alles mit sich zieht: Korruption, jeder gegen jeden, Diebstahl, falsche Freunde/Freundlichkeit, „Mulungo“-Preise, immer alles und jeden bis aufs letzte ausnutzen, tiefes Misstrauen, Angst (hauptsaechlich vor Einbrechern) und und und.

Da bin ich froh, dass ich ein paar gute Freunde gefunden habe, denen ich vertrauen kann und die an mir, und nicht an meiner Haufarbe oder meinem vermeintlichem Reichtum interessiert sind.

Folgende Planungen fuer die letzten zwei monate:

Baraka und Projekt, dann vom 18. Bis zum 20. Juni Endauswertungsseminar in Inhambane, wo wir irgendwo im Nichts campen und uns selbst versorgen und direkt im Anschluss mit Janis ne Woche nach Chimoio. Die Tanzauffuehrung faellt damit leider flach aber was solls, ich war jetzt eh wieder ne woche wegen der grippe nicht dabei. Von Chimoio nach Beira, mit Tome treffen und die Kueste entlang reisen, wie wo was sehn wir dann spontan. Er hat bis zum 11.Juli Ferien. Am Ende hab ich dann also noch so 3 Wochen hier in Maputo, das ist mir auch ganz recht, kann ich nochmal shoppen und mich in ruhe verabschieden.


 
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